Kategorie: Aktuelles, Stadtwerke
Datum: 13. August 2026

Thomas Ball vom TZW auf Abschieds-Exkursion im Wasserwerk

Nach 25 Jahren übergibt er die Zuständigkeit für „Grundwassermonitoring und Landwirtschaft“ in Bruchsal an Birgit Müller

Am 11. August war Dipl.-Ing. Thomas Ball, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter des TZW: DVGW-Technologiezentrums Wasser in Karlsruhe, zu Besuch im Bruchsaler Wasserwerk. An seiner Seite: seine designierte Nachfolgerin, Dr. Birgit Müller, sowie weitere Kolleginnen und Kollegen des TZW-Sachgebiets Risikomanagement mit Abteilungsleiter Sebastian Sturm.

Ralf Frank und Christian Bader, die beiden Wassermeister der Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Bruchsal GmbH, nahmen die Besuchergruppe in Empfang. Zur Erfrischung gab es für die Gruppe jeweils ein Glas bestes Bruchsaler Trinkwasser. Dazu präsentierte Thomas Ball ausgewählte Ergebnisse der vergangenen Jahre im Kurzdurchlauf.

Begonnen hatte alles mit dem Pilotprojekt „Grundwasserschonender Spargelanbau“ des Landes Baden-Württemberg Ende der 1980er Jahre. Seinerzeit lag der Nitratwert im Rohwasser der beiden Feldbrunnen noch zwischen 80 und 90 mg/L. Heute liegt er dort bei rd. 30 mg/L, was inzwischen auch zu einer Herabstufung des Wasserschutzgebietes vom „Nitrat-Sanierungs- und Problemgebiet“ zum sogenannten „Normalgebiet“ geführt hat. Nach Zumischung von Waldbrunnenwasser und Aufbereitung liegt der Nitratgehalt im abgegebenen Trinkwasser bei nur noch 8 mg/L. Einen bedeutenden Anteil an der Verringerung der Nitratwerte im Rohwasser hat das an das Pilotprojekt anschließende langjährige „Grundwasser- und Boden-Monitoringprogramm im Wasserschutzgebiet Bruchsal“ der ewb, das vom Sachgebiet Risikomanagement des TZW umgesetzt wurde.

In der Bewirtschaftung des Wasserschutzgebietes hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, gemeinsam mit den Landwirten konnten die Nitratwerte in den Böden und in der Folge so auch im Grundwasser verringert werden. Ralf Frank betonte dabei auch die Bedeutung des sachgerecht ausgewiesenen Wasserschutzgebietes und die gute Zusammenarbeit mit den beiden Wasserschutzgebietsberatern beim Landwirtschaftsamt, die ebenfalls langjährige Wegbegleiter und Mitstreiter von Thomas Ball sind. Dennoch sind an einigen Grundwassermessstellen nach wie vor noch deutlich erhöhte Nitratkonzentrationen im oberflächennahen Grundwasser festzustellen, deren Entwicklung auch weiterhin beobachtet wird.

In seinem kurzweiligen Vortrag mit ausgewählten Folien ging es auch um die Niederschlagssituation in den vergangenen Jahren. Insbesondere in den sogenannten Jahrhundertsommern, vor allem von 2003 aber auch 2020 und 2025, war ein späterer Beginn und Rückgang bei der jährlichen Grundwasserneubildung zu verzeichnen. Die Sickerwassermenge in einem Meter Tiefe kann seit 2002 im WSG Bruchsal mit Hilfe von drei Freilandlysimetern beobachtet werden. Falls die Niederschläge auch diesen Herbst ausbleiben, ist auch im aktuellen Jahr mit einer geringeren Grundwasserneubildung zu rechnen.

Bevor die TZW-Besuchergruppe zum Wasserwerk kam, besichtigte sie zunächst die TZW-Versuchsfläche, auf der das Sickerwasser im Boden untersucht wird und wandelte im Trinkwassereinzugsgebiet auf den Spuren von 19 Grundwassermessstellen. Im Rahmen des von Ball geleiteten Grundwasser-Projekts ArNO des BMFTR wurden auch drei Messstellen in Bruchsal einbezogen. Die Beobachtung: Liegen die Messstellen im Wald, ist der Gesamtnitrateintrag geringer, im Feld ist er höher. In Bruchsal zeigte sich außerdem, dass das Nitrat an den Wald-Messstellen bereits fast vollständig abgebaut war. Birgit Müller ergänzte den Vortrag ihres Kollegen und gab anschließend zu bedenken: „Man sollte jetzt allerdings nicht darauf wetten, dass die Natur alle Probleme für uns Menschen löst!“, denn: Das Potenzial für den Abbau von Nitrat in Boden und Grundwasser ist erschöpflich.

Nach dem Vortrag folgte noch eine kurze Inspektion des modernen Herzstücks des Bruchsaler Wasserwerks – die Umkehrosmose- bzw. Teilentsalzungs-Anlage sowie die Flachbettbelüfter. Bei der Umkehrosmose wird das Wasser unter hohem Druck durch eine halbdurchlässige Membran gepresst. Diese Membran lässt hauptsächlich Wassermoleküle hindurch, hält aber viele gelöste Stoffe zurück. Das Rohwasser wird vorgefiltert, Pumpen erzeugen einen hohen Druck, das Wasser wird gegen die Membran gedrückt, die Membran trennt das Wasser in Permeat, sehr reines Wasser, das die Membran passiert, und Konzentrat, das Wasser mit den zurückgehaltenen Salzen, Mineralien, Schwermetallen, Mikroplastik, Bakterien und anderen Stoffen. – Über die Flachbettbelüfter wird das Rohwasser mit Sauerstoff angereichert, gleichzeitig werden verbliebene Gase, wie z.B. Kohlendioxid, entfernt.

Zum Abschied gab es noch Geschenke für die langjährige Zusammenarbeit von ewb und TZW – in der Person von Thomas Ball sowie ein Erinnerungsfoto auf den Eingangsstufen des Wasserwerks.

Artikel: TZW+SWB

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